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Der große Enzyklopäde und Universalgelehrte Marin Mersenne - jesuitisch erzogen, später selbst Mitglied des Paulanerordens (ja, der mit dem Bier) und Priester - hinterließ in seinem berühmten Werk "Harmonie universelle: Contenant la théorie et la pratique de la musique" (Paris 1636, 17 Bände) eine Fundgrube an Informationen zu Musiktheorie und -Praxis seiner Zeit, unter anderem auch ausführliche instrumentenkundliche Darstellungen. Er gewann Erkenntnisse zur Schallgeschwindigkeit, zum Obertonspektrum, regte die gleichstufige Temperierung des Quintenzirkels an und wandte sich beredt gegen jedwede Mystifikation - auch der Musik. Klang ist Schwingung, nichts weiter. Gleichwohl gesteht er der Musik einen Einfluss auf die Seele zu.
Er vertritt die "Theorie der Musik als Zweig eigenständiger Wissenschaft" (Walter Wiora). Harmonie ist alles, was eine gesetzhafte Ordnung erkennen lässt. "Mersennes Harmonie universelle ist in der Summe die erste Abhandlung, die das Musikinstrument nicht mehr nur als bloßes Werkzeug für das Erklingen von Musik darstellt, sondern die es als eigenständiges technisches Gebilde der Kunst versteht, das mit mathematischen und physikalischen Formeln sehr gut abgebildet werden kann" (Conny Restle in "Instrumente in Kunst und Wissenschaft: Zur Architektonik kultureller Grenzen im 17. Jahrhundert).
Mersennes Polemiken gegen den Aristotelismus, die Astrologie, die Kabbala und die Rosenkreuzer trägt er in der Hauptsache mit seinem Zeitgenossen Robert Fludd aus, Arzt und Rosenkreuzer aus Oxford. Noch heute trägt eine Primzahlen-Reihe seinen Namen.
Mersennes ausführliche Beschäftigung mit den Saiteninstrumenten (interessanterweise ungleich differenzierter als die mit den Blasinstrumenten) führt ihn zu folgender Erkenntnis: "Wenn man die Instrumente nimmt nach dem Maßstab, wie sie die menschliche Stimme am besten nachahmen, und wenn man von allen Kunststücken das Natürliche am meisten schätzt, so glaube ich, daß man der Gambe den Preis nicht versagen kann, da sie die Stimme in allen ihren Modulationen nachahmt, sogar in ihren eigensten Nuancen, der Trauer und der Freude: denn der Bogen, der den erwähnten Effekt bewirkt, hat einen fast ebenso langen Zug wie der normale Atem der Stimme, von welcher er Freude, Trauer, Beweglichkeit, Süße und Kraft nachahmen kann durch seine Lebhaftigkeit, seine Erschlaffung, seine Schnelligkeit, seine Leichtigkeit und seinen Druck; und ebenso durch das Zittern und die Schmeicheleien der linken Hand, um das Tragen der Stimme und die Reize des Gesangs wiederzugeben... Und wenn man sagt, daß die Orgel, die Musette und die Flöte die Töne länger aushalten können als die Gambe, kann man antworten, daß - abgesehen von diesem und einigen niedlichen Kadenzen - der ganze Rest fehle. ... Und wenn man Laute, Harfe und Cembalo anführt, so gestehe ich, daß sie zwar die zierlichen Effekte der Gambe besitzen, aber verkrüppelt, da sie nicht die Möglichkeit haben, die Töne auszuhalten. Was die Violine betrifft, so kann man sie Nachahmerin der Gambe und Stimme nennen; aber sie erreicht sie nicht, denn die Violine hat zuviel Rauheit ... Diejenigen, die ausgezeichnete Spieler und gute Konzerte gehört haben, wissen, daß es - nach dem Gesang - nichts Entzückenderes gibt, als die ersterbenden Bogenstriche, die das Erzittern der linken Hand begleiten".
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