Gleich dem Requiem von W. A. Mozart ist Pergolesis Stabat Mater das letzte Werk eines als "früh- vollendetes Genie" geltenden Komponisten. Er schrieb es im Alter von 26 Jahren, stellvertretend für seinen Kollegen A. Scarlatti, kurz vor seinem Tod im Franziskanerkloster von Pozzuoli, wohin er sich seiner fortschreitenden Tuberkulose wegen zurückgezogen hatte, zum Fest der Sieben Schmerzen Mariä. 

Zeitlebens kränklich erlebte Pergolesi einige fulminante Erfolge mit Opernkompositionen und Opernintermezzi – vor allem mit "La serva padrona", einem Werk, das über Jahrhunderte von den Bühnen der Welt nicht weg zu denken ist. Es war das erste "Repertoirestück", das von reisenden Operntruppen durch ganz Europa gespielt wurde. 1752 hat es anlässlich seiner Pariser Erstaufführung den berühmten "Buffonistenstreit" ausgelöst.

Aber auch mit geistlicher Musik hat sich Pergolesi einen Platz in der Musikgeschichte erobert. Seine Kirchenmusik (Messe und Vesper), im Auftrag der Stadt Neapel ässlich der schweren Erdbeben im Winter 1732 für Bittgottesdienste komponiert, wurde in der Folge alljährlich am 31.12. in der Kirche S. Maria della Stella aufgeführt. Seine F-Dur Messe erregte in Rom großes Aufsehen. Er selbst war von dieser Komposition so überzeugt, dass er keine weiteren Messen mehr schrieb, sondern diese zu anderen Anlässen umarbeitete.

Das Stabat Mater war das im 18. Jahrhundert am meisten gedruckte Musikstück, dessen eindringlich-empfindsamer Tonsprache sich wohl niemand entziehen konnte. Rousseau behauptet, dass "die erste Strophe des Stabat Mater die vollendetste und berührendste sei, die jemals aus der Feder eines Musikers geflossen ist". J.S. Bach hat es mit dem Text "Tilge, Höchster, meine Sünden" für den protestantischen Gottesdienst bearbeitet. Jedoch erreicht nach vorherrschender Meinung diese Bearbeitung nicht die Qualität des Pergolesi'schen Originals.

Die Stellung als "letztes" Werk verhalf dem Stabat Mater zu einer fast pathetischen Aura persönlicher Tragödie, was – angemessen oder nicht – die Wahrnehmung dieses Stücks sicher geprägt hat.

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